Waitrose, die britische Supermarktkette, wird bis zum 29. April den gesamten Verkauf von Makrelen – frisch, gekühlt, gefroren und in Dosen – einstellen und begründet dies mit Bedenken hinsichtlich nicht nachhaltiger Fischereipraktiken. Diese Entscheidung stellt einen bedeutenden Schritt eines großen Einzelhändlers dar, um der eskalierenden Krise der Überfischung der Makrelenpopulation im Nordostatlantik entgegenzuwirken.
Das Problem: Überfischung und zusammenbrechende Bestände
Aufgrund fehlender koordinierter internationaler Fangquoten sind die Makrelenbestände seit Jahren erschöpft. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), ein führendes wissenschaftliches Gremium zum Thema Meeresnachhaltigkeit, hat wiederholt gewarnt, dass die aktuellen Fangraten die Fähigkeit der Art, sich auf natürliche Weise zu regenerieren, übersteigen.
Warum das wichtig ist: Makrele ist eine der am häufigsten befischten Arten in britischen Gewässern, wobei britische Schiffe allein im Jahr 2024 über 230.000 Tonnen anlandeten. Wenn Überfischung nicht kontrolliert wird, kann sie zu einem Zusammenbruch der Population führen und sich sowohl auf das Ökosystem als auch auf die Lebensgrundlage derjenigen auswirken, die von dieser Ressource abhängig sind.
Während im Dezember eine kürzlich zwischen dem Vereinigten Königreich, Norwegen, den Färöer-Inseln und Island geschlossene Vereinbarung getroffen wurde, die Makrelenfänge um 48 % zu reduzieren, argumentiert Waitrose, dass diese Reduzierung unzureichend sei. Die internen Standards des Supermarkts erfordern umfassendere Erhaltungsmaßnahmen, bevor der Verkauf von Makrelen wieder aufgenommen wird.
Waitroses Haltung und Zukunftspläne
Jake Pickering, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Aquakultur und Fischerei bei Waitrose, erklärte, dass die Aussetzung der Makrelenbeschaffung „unsere ethischen und nachhaltigen Geschäftsverpflichtungen stärkt … und gegen Überfischung vorgeht.“ Bis Mai 2026 werden Makrelen im Nordostatlantik die Anforderungen von Waitrose an eine verantwortungsvolle Beschaffung nicht mehr erfüllen.
Das Unternehmen wird Makrelenprodukte durch Alternativen ersetzen, die unter nachhaltigeren Bedingungen hergestellt werden. Dieser Schritt signalisiert ein klares Bekenntnis zum Schutz der Fischbestände, auch wenn dies bedeutet, dass ein beliebtes Produkt vorübergehend aus den Regalen genommen wird.
Gegenreaktion der Industrie und Unterstützung beim Naturschutz
Die Entscheidung von Waitrose stieß bei der schottischen Fischereiindustrie auf Kritik. Ian Gatt von der Scottish Pelagic Fishermen’s Association äußerte sich bestürzt und argumentierte, dass Fortschritte bei den internationalen Quotenverhandlungen bereits im Gange seien.
Allerdings haben Naturschutzgruppen wie die Marine Conservation Society und die Blue Marine Foundation den Schritt begrüßt. Kerry Lyne, Good Fish Guide-Managerin bei der Marine Conservation Society, betonte, dass „die Beibehaltung von Favoriten wie Makrelen auf der Speisekarte … Unterstützung in der gesamten Lieferkette erfordert, damit die Fischerei innerhalb nachhaltiger Grenzen gehalten wird.“ Charles Clover von der Blue Marine Foundation nannte die Überfischung eine „Krise“, die „zu lange ignoriert“ worden sei.
Das Gesamtbild: Die Aktion von Waitrose verdeutlicht den wachsenden Druck auf Einzelhändler, Verantwortung für die Nachhaltigkeit ihrer Lieferketten zu übernehmen. Die langfristige Gesundheit der Fischbestände hängt von kollektivem Handeln ab, und diese Entscheidung könnte andere Supermärkte dazu ermutigen, diesem Beispiel zu folgen.
Das vorübergehende Makrelenverbot von Waitrose ist eine direkte Reaktion auf nicht nachhaltige Fischereipraktiken und unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit zum Schutz der Meeresökosysteme.




















