Alte Weberknechtearten in baltischem und ukrainischem Bernstein ausgegraben

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Alte Weberknechtearten in baltischem und ukrainischem Bernstein ausgegraben

Paläontologen haben eine neue Weberknechtart, Balticolasma wunderlichi, identifiziert, die in 35 Millionen Jahre altem Bernstein aus der Ukraine und dem Baltikum konserviert ist. Die Entdeckung markiert den ersten fossilen Beweis für die Unterfamilie der Ortholasmatinae, einer Gruppe reich verzierter Spinnentiere, die heute nur noch in Ostasien und Amerika vorkommt.

Ein fehlendes Puzzleteil

Der Fund, der in einer Veröffentlichung vom 18. März in Acta Palaeontologica Polonica detailliert beschrieben wird, ist bedeutsam, weil er eine bisher unbekannte Verbreitung dieser Weberknechte offenbart. Heutzutage sind Ortholasmatinae-Arten über Kontinente verstreut, aber die Fossilien belegen, dass sie einst im Eozän in Europa gediehen. Dies deutet auf eine viel größere historische Bandbreite hin, als bisher angenommen.

Enthüllung des alten Spinnentiers

Die Forscher analysierten zwei Exemplare – ein Weibchen aus ukrainischem Rowno-Bernstein und ein Männchen aus baltischem Bernstein – mithilfe hochauflösender Synchrotron-Mikrotomographie. Die Scans ergaben, dass Balticolasma wunderlichi weniger als 3 mm lang, abgeflacht und mit Reihen von Tuberkeln mit einer markanten haubenartigen Struktur bedeckt war. Einige seiner Merkmale deuten auf eine engere evolutionäre Verbindung zu modernen asiatischen Gattungen hin.

Warum das wichtig ist

Bei der Entdeckung geht es nicht nur darum, eine neue Art zu finden. Die Fossilien sind von entscheidender Bedeutung für die Rekonstruktion der Evolutionsgeschichte der Weberknechte und für die Verfeinerung unseres Verständnisses antiker Ökosysteme. Die Bernsteinvorkommen in der Ostsee und Rowno erweisen sich als Schatzkammern prähistorischen Lebens und bringen immer wieder Arten hervor, die heute in Europa nicht mehr vorkommen.

Verbreitung und Implikationen

Die Tatsache, dass ähnliche Weberknechtearten sowohl in der Ukraine als auch im Baltikum gefunden wurden, deutet auf eine einst einheitliche Fauna hin. Mit dieser Ergänzung steigt die bekannte Zahl der im baltischen Bernstein erhaltenen Weberknechtarten auf 19 und die Zahl der im Rownoer Bernstein erhaltenen Weberknechtarten auf sieben, wobei an beiden Standorten sechs Arten vorkommen. Diese Beweise stützen die Theorie, dass diese Regionen einst ähnliche Umweltbedingungen hatten.

Die Entdeckung unterstreicht die Bedeutung privater Sammlungen als Quellen für wissenschaftliche Studien, da beide Exemplare aus solchen Beständen stammten, bevor sie im Museum für Naturkunde Berlin deponiert wurden.

Die weitere Analyse der Bernsteinvorkommen wird zweifellos weitere Erkenntnisse über die alte Artenvielfalt Europas und die sich über Millionen von Jahren verändernde Artenverteilung liefern.