Der alte kieferlose Fisch hatte vier Augen, um Raubtiere zu überleben

5

Vor einer halben Milliarde Jahren waren unsere Vorfahren der Wirbeltiere nicht nur primitiv – sie verfügten auch über einen evolutionären Vorteil, den wir längst vergessen hatten: vier Augen. Neu analysierte Fossilien aus China zeigen, dass diese frühen Fische, sogenannte Myllokunmingiden, zwei Paar funktionsfähiger Augen besaßen. Diese Entdeckung verändert unser Verständnis der frühen Wirbeltierentwicklung und zeigt, dass die visuelle Verfeinerung viel früher entstand als bisher angenommen.

Der kambrische Vorteil

Das Kambrium (vor 541–485,4 Millionen Jahren) war eine Zeit zunehmender Raubtiere. Vorfahren mit weichem Körper waren in den Ozeanen zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt, und mehr Augen zu haben verbesserte wahrscheinlich ihre Überlebenschancen. Forscher gehen davon aus, dass der zweite Augensatz ein größeres Sichtfeld bot und die Erkennung von Raubtieren erleichterte.

Die Fossilien, die in den Fossillagerstätten von Chengjiang im Süden Chinas außergewöhnlich gut erhalten sind, zeigen zwei große Augen auf beiden Seiten des Kopfes sowie ein kleineres, voll funktionsfähiges Paar dazwischen. Das Team bestätigte, dass es sich bei diesen Strukturen nicht um Überbleibsel handelte; Sie hatten Linsen und lichtabsorbierende Pigmente, was bedeutete, dass sie Bilder erzeugten.

Von vier Augen bis zur Zirbeldrüse

Besonders auffällig ist, was mit diesen zusätzlichen Augen im Laufe der Zeit passiert ist. Moderne Wirbeltiere – darunter auch Menschen – haben in der Zirbeldrüse ein Überbleibsel dieser uralten Funktion. Bei lebenden Fischen, Reptilien und Amphibien manifestiert sich dies als Scheitelauge oder „Drittes Auge“, das Licht wahrnimmt, aber keine Bilder erzeugt.

Die Studie legt nahe, dass sich die Zirbeldrüse aus einem voll funktionsfähigen zweiten Augenpaar entwickelt hat. Frühe Wirbeltiere nutzten diese Struktur zum Sehen; später schrumpfte es und verlor seine Bildgebungsfähigkeiten, stattdessen wurde es durch die Melatoninproduktion entscheidend für die Regulierung des Schlafes.

Warum das wichtig ist

Diese Entdeckung unterstreicht, dass die Evolution nicht immer geradlinig verläuft. Eigenschaften, die einst überlebenswichtig waren, können im Laufe von Millionen von Jahren wiederverwendet werden. Es unterstreicht auch die Bedeutung außergewöhnlicher Fossilienfunde wie dieser, die seltene Einblicke in die Weichkörperanatomie antiker Lebewesen bieten.

„Das verändert unsere Sicht auf die frühe Evolution der Wirbeltiere“, sagt Jakob Vinther, Co-Autor der Studie. „Es stellte sich heraus, dass unsere Vorfahren visuell anspruchsvolle Tiere waren, die sich in einer gefährlichen Welt zurechtfanden.“

Die vieräugigen Myllokunmingiden waren nicht nur süß; Sie waren gut an eine gefährliche Welt angepasst. Ihr evolutionäres Erbe lebt in unserem eigenen Gehirn weiter und erinnert uns daran, dass selbst die scheinbar primitivsten Lebewesen eine überraschende Komplexität besitzen können.