Experten warnen, dass die bevorstehende Einführung oraler Medikamente zur Gewichtsreduktion in Großbritannien neue Möglichkeiten für Fälscher schaffen wird. Während man davon ausgeht, dass Pillenformen von Medikamenten wie Wegovy und Mounjaro billiger und leichter zugänglich sind als injizierbare Versionen, werden sie auch leichter zu fälschen sein, was ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt. Die Umstellung von Injektionen auf Pillen verändert die Betrugslandschaft grundlegend. Injektionspräparate erfordern sterile Ausrüstung, gekühlte Lagerung und rückverfolgbare Lieferketten, was Fälschungen komplexer macht. Im Gegensatz dazu können Pillen mit relativ einfachen Geräten – Mischern und Pillenpressen – hergestellt werden, was eine Produktion in großem Maßstab ermöglicht, die nicht rückverfolgbar ist.
Die Nachfrage und die Risiken
Die Nachfrage nach Medikamenten zur Gewichtsreduktion wie Wegovy und Mounjaro ist im Vereinigten Königreich stark gestiegen. Klinische Studien haben einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 14 bis 20 Prozent nach 72 Wochen gezeigt. Diese Nachfrage, gepaart mit hohen Preisen für Injektionspräparate, treibt Verbraucher dazu, günstigere Online-Alternativen zu nutzen, wodurch ein anfälliger Markt für Fälscher entsteht.
Gefälschte Pillen können falsche Dosierungen, inaktive Inhaltsstoffe oder gefährliche Verunreinigungen enthalten. Im Gegensatz zu legitimen Medikamenten unterliegen Fälschungen keiner Qualitätskontrolle und können schwerwiegende Gesundheitsrisiken bergen. Laut Dr. Bernard Naughton vom Trinity College Dublin sind Patienten bei Pillen bereits risikobereiter als bei Injektionen, selbst bei Verdacht auf Betrug. Diese Bereitschaft, ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen, ist ein gefährlicher Trend, den Fälscher ausnutzen.
Regulatorische Herausforderungen
Die britische Regulierungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (MHRA) hat bereits Proaktivität durch Razzien gezeigt, wie etwa bei der Pleite in der Fabrik in Northampton im Oktober, bei der gefälschte Mittel zur Gewichtsreduktion im Wert von 250.000 Pfund beschlagnahmt wurden. Das Ausmaß potenzieller Pillenfälschungen wird jedoch die Ressourcen belasten. Experten warnen davor, dass es angesichts der einfachen Herstellung und des Online-Vertriebs unmöglich sein könnte, diese Produkte vollständig vom Markt zu verbannen.
Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk und Eli Lilly ergreifen Maßnahmen zur Bekämpfung von Fälschungen, einschließlich Online-Überwachung, Nachverfolgung der Lieferkette und Bereitstellung von Proben für forensische Tests. Die MHRA nutzt außerdem KI-Tools, um gefälschte Online-Werbung zu erkennen und die Durchsetzung der Vorschriften zu stärken. Trotz dieser Bemühungen ermutigt das Fehlen von Verhaftungen oder Strafverfolgungen in einigen Fällen Kriminelle, was auf ein geringes Risiko und eine hohe Belohnung hindeutet.
Die Notwendigkeit stärkerer Maßnahmen
Zum Schutz der öffentlichen Gesundheit fordern Experten mehrere Maßnahmen:
- Strengere Regulierung und Durchsetzung: Gewährleistung strenger Kontrollen bei der Herstellung, Lieferung und Überwachung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion.
- Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit: Aufklärung von Patienten über die Risiken des Online-Kaufs von Arzneimitteln ohne Rezept oder ärztliche Aufsicht.
- Einfache Überprüfung für Online-Apotheken: Verbraucher können die Legitimität von Online-Verkäufern ganz einfach bestätigen.
- Stärkere Abschreckungsmittel: Erhöhung des Risikos einer Strafverfolgung für Fälscher, um illegale Geschäfte zu verhindern.
Die Umstellung auf orale Medikamente zur Gewichtsreduktion wird zwangsläufig die Möglichkeiten für Kriminelle erweitern. Ohne entschlossenes Handeln riskiert das Vereinigte Königreich eine Flut gefälschter Medikamente, die der öffentlichen Gesundheit schaden und das Vertrauen in das Arzneimittelsystem untergraben könnten.



















