Vor der Küste der japanischen Insel Yonaguni liegt eine Unterwasserformation, die Diskussionen auslöst. Das 1987 von Kihachiro Aratake erstmals entdeckte Yonaguni-Denkmal ähnelt einer versunkenen Stadt und verfügt über scharfwinklige Terrassen und abgestufte Strukturen, die bis zu 6 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Handelt es sich um die Überreste einer untergegangenen Zivilisation oder um ein eindrucksvolles Beispiel natürlicher geologischer Prozesse?
Das Geheimnis vertieft sich
Das ungewöhnlich geordnete Erscheinungsbild der Struktur hat einige zu der Vermutung geführt, dass sie vor Jahrtausenden absichtlich von Menschen geschnitzt oder verändert wurde. Der Geologe Masaaki Kimura hat argumentiert, dass die Stätte Hinweise auf künstliche Eingriffe aufweist, was darauf hindeutet, dass es sich um ein Überbleibsel einer Zivilisation handeln könnte, die vor etwa 10.000 Jahren vom steigenden Meer verschluckt wurde.
Die Mehrheit der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist jedoch anderer Meinung. Die vorherrschende Erklärung ist, dass die Formation völlig natürlich ist und über Jahrtausende durch tektonische Spannungen, Brüche im Grundgestein und unaufhörliche Erosion geformt wurde.
Geometrische Kunst der Natur
Der Schlüssel zum Verständnis von Yonaguni liegt darin, zu verstehen, wie die Erde ohne menschliches Eingreifen beeindruckende geometrische Formationen schafft. Die sechseckigen Säulen des Giant’s Causeway in Irland, die Mosaikpflastersteine in Tasmanien und der perfekt gespaltene Felsen Al Naslaa in Saudi-Arabien sind nur einige Beispiele. Diese Wunder beweisen, dass die Natur zu erstaunlicher Präzision fähig ist.
Das Yonaguni-Denkmal entstand entlang von Bettungsebenen – natürlichen Schichten im Sedimentgestein – und Fugensätzen, bei denen es sich um Brüche handelt, die entstehen, wenn das Gestein beansprucht wird. In der Region häufig vorkommende Erdbeben beschleunigen diesen Prozess und führen dazu, dass das Gestein in vorhersehbaren Mustern bricht. Durch die unerbittliche Wirkung der Meeresströmungen werden diese Brüche weiter erodiert, wodurch das gestufte Erscheinungsbild entsteht.
Das Urteil: Natürliche Erosion
Neuere Forschungen stützen die Theorie des natürlichen Ursprungs. Ein Team unter der Leitung von Hironobu Suga von der Universität Kyushu beobachtete im Jahr 2024 anhaltende Erosionsprozesse an der Stätte und fand Hinweise auf Ablösung, Abrieb und Schlaglochbildung des Grundgesteins. Das Team kam zu dem Schluss, dass die „ruinenartigen Formationen“ aktiv durch natürliche Verwitterung entstehen.
Es wurden nie archäologische Beweise gefunden, die auf eine menschliche Beteiligung schließen ließen. Trotz des anhaltenden Mysteriums ist die plausibelste Erklärung, dass das Yonaguni-Denkmal ein Beweis für die rohe geologische Kraft der Erde ist und nicht für eine verlorene Zivilisation. Die Tatsache, dass die Natur im Laufe der Zeit und tektonischer Aktivität solch beeindruckende Strukturen erschaffen kann, ist bemerkenswert genug.
