Die U.S. Space Force hat einen bahnbrechenden Auftrag über 52,5 Millionen US-Dollar an Starfish Space vergeben und damit die erste offizielle Vereinbarung für die Entfernung von Satelliten aus einer Konstellation im erdnahen Orbit (LEO) getroffen. Dieser Schritt signalisiert ein wachsendes Bewusstsein für die Nachhaltigkeit des Weltraums und den praktischen Bedarf an Entsorgungsdiensten am Ende der Lebensdauer.
Der Vertrag und die Rolle des Starfish Space
Im Rahmen der Vereinbarung wird Starfish Space bereits ab 2027 sein Raumschiff „Otter“ einsetzen, das zum Einfangen und Verlassen der Umlaufbahn von Satelliten konzipiert ist. Das erste Ziel ist das Netzwerk Proliferated Warfighter Space Architecture (PWSA), eine wachsende Konstellation von Militärsatelliten. Der Otter ist einzigartig in seiner Fähigkeit, Satelliten zu warten und aus der Umlaufbahn zu bringen, auch wenn diese ursprünglich nicht für solche Einsätze konzipiert waren.
„Dieser Vertrag und diese Mission sind ein Beweis dafür, dass die von Otter bereitgestellte Altsatellitenentsorgung den Betreibern von LEO-Konstellationen einen echten Mehrwert bieten kann“, erklärte Austin Link, Mitbegründer von Starfish Space.
Das Unternehmen betont, dass der Otter die Kosten und die Komplexität der Satellitenwartung drastisch reduziert und das Deorbitieren für mehr Betreiber zu einer praktikablen Option macht.
Der Wandel in der militärischen Weltraumstrategie
Dieser Vertrag spiegelt einen größeren Wandel in der Herangehensweise des US-Militärs an Weltraumressourcen wider. Traditionell lag der Fokus auf einer kleinen Anzahl teurer, leistungsstarker Satelliten mit langen Entwicklungszyklen. Die PWSA-Konstellation stellt einen Schritt hin zu einer größeren Anzahl billigerer und widerstandsfähigerer Satelliten dar.
Mehr Satelliten bedeuten mehr Redundanz: Wenn ein Gegner versucht, einen Teil des Netzwerks lahmzulegen, kann das verbleibende Raumschiff seinen Betrieb fortsetzen. Allerdings bedeutet eine größere Konstellation auch mehr potenzielle Trümmer, wenn Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer nicht ordnungsgemäß verwaltet werden.
Das Trümmerdilemma und die Lösung von Starfish Space
Die zunehmende Anzahl von Satelliten im LEO wirft eine entscheidende Frage auf: Wie lässt sich die Betriebslebensdauer mit der Nachhaltigkeit im Weltraum in Einklang bringen? Konstellationsbetreiber müssen entscheiden, ob sie Satelliten frühzeitig abschalten, um Trümmer zu verhindern, oder ob sie ihre Nutzung maximieren, um die Investitionen wieder hereinzuholen.
Starfish Space positioniert den Otter als eine Lösung, die diese Lücke schließt. Das „Deorbit-as-a-Service“-Modell ermöglicht es Betreibern, den Satellitennutzen zu maximieren und sich darauf zu verlassen, dass der Otter zu gegebener Zeit eine verantwortungsvolle Entsorgung gewährleistet. Dies ist besonders wichtig, da die PWSA-Konstellation wächst.
Bewährte Technologie und zukünftige Missionen
Während der Otter seine erste Deorbit-Mission noch nicht abgeschlossen hat, hat Starfish Space bereits Schlüsseltechnologien im Orbit demonstriert. Die Otter Pup 1-Mission im Jahr 2023 manövrierte erfolgreich bis auf einen Kilometer an einen Zielraumschlepper heran, und nachfolgende Tests mit den Mira-Fahrzeugen von Impulse Space haben die Fähigkeiten des Unternehmens weiter bestätigt.
Die ersten operativen Otter-Missionen sollen dieses Jahr starten und wertvolle Erfahrungen vor der ersten Entsorgungsmission der Space Force liefern.
Dieser Vertrag ist ein Meilenstein: Er bestätigt nicht nur die Technologie von Starfish Space, sondern signalisiert auch ein wachsendes Engagement des US-Militärs für verantwortungsvolle Weltraumeinsätze. Darin wird anerkannt, dass ein nachhaltiger Ansatz für die Weltrauminfrastruktur nicht länger optional, sondern für die langfristige nationale Sicherheit und die Erhaltung der Orbitalumgebung unerlässlich ist.
