Seit Jahrhunderten ist die Wissenschaft hinter dem Wiehern des Pferdes – ein Geräusch, das für das Tier ebenso ikonisch ist wie sein Galopp – ein faszinierendes Geheimnis geblieben. Jetzt hat eine neue Studie, die in Current Biology veröffentlicht wurde, einen überraschenden Mechanismus aufgedeckt: Pferde pfeifen tatsächlich, um die hohe Komponente ihres Signaturrufs zu erzeugen.
Die duale Natur eines Wieherns
Das Wiehern ist kein einzelner Ton, sondern eine komplexe Mischung aus hohen und niedrigen Frequenzen. Forscher haben zuvor das tiefe Grollen verstanden, das wie menschliche Sprache durch vibrierendes Gewebe im Kehlkopf erzeugt wird. Das hohe Quietschen ließ sich jedoch nicht erklären. Größere Tiere erzeugen typischerweise tiefere Töne; Dennoch gelingt es Pferden, diese ungewöhnliche Kombination zu schaffen.
Um das Rätsel zu lösen, verwendeten Wissenschaftler Miniaturkameras, die durch die Nüstern von Pferden eingeführt wurden, um den Stimmvorgang in Aktion zu filmen. Sie führten auch detaillierte Scans und Experimente mit isolierten Pferde-Sprachboxen durch. Die Ergebnisse bestätigten etwas Unerwartetes: Der hohe Ton wird durch Pfeifen im Kehlkopf selbst erzeugt.
Wie Pferde pfeifen
Im Gegensatz zu Menschen, die mit dem Maul pfeifen, erzeugen Pferde den Ton, indem sie Gewebe in ihrem Kehlkopf vibrieren lassen und gleichzeitig einen nahegelegenen Bereich zusammenziehen, um eine kleine Öffnung zu schaffen. Dadurch kann Luft entweichen und es entsteht der charakteristische Pfiff. Nur eine Handvoll kleiner Nagetiere, wie Ratten und Mäuse, teilen diese Stimmtechnik mit den Säugetieren. Pferde sind die ersten großen Tiere, bei denen entdeckt wurde, dass sie sie nutzen.
„Ich hätte nie gedacht, dass es eine Pfeifkomponente gibt. Es ist wirklich interessant, und das kann ich jetzt hören“, sagte Jenifer Nadeau, eine Pferdeverhaltensspezialistin an der University of Connecticut, die nicht an der Studie beteiligt war.
Evolution und Kommunikation
Der Ursprung dieses zweifarbigen Rufs bleibt unklar. Einige Wildpferdepopulationen – wie das Przewalski-Pferd – und sogar Elche können ähnliche Geräusche erzeugen, während andere Pferdeverwandte, wie Esel und Zebras, dies nicht können. Dies deutet darauf hin, dass sich die Fähigkeit in bestimmten Abstammungslinien entwickelt hat.
Die duale Natur des Wieherns ermöglicht es Pferden möglicherweise, komplexere Botschaften zu übermitteln. Die unterschiedlichen Frequenzen könnten bei sozialen Interaktionen ein breiteres Spektrum an Emotionen vermitteln. Studienautorin Elodie Mandel-Briefer von der Universität Kopenhagen erklärt, dass Pferde möglicherweise in der Lage seien, „Emotionen in diesen beiden Dimensionen auszudrücken“.
Die Entdeckung vertieft nicht nur unser Verständnis der Lautäußerungen von Pferden, sondern verdeutlicht auch, wie wenig wir noch über die Komplexität der Tierkommunikation wissen. Das Wiehern ist mehr als nur ein Anruf; es ist ein biologisches Wunder.




















